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Spannende Spandauer Vorstadt

Dienstag, 3. März 2009 14:51

Endlich mal wieder in Berlin - ein ganzer Tag, um mich durch die Strassen treiben zu lassen und die Lebendigkeit dieser Stadt zu genießen. Zwei Dinge beeindrucken mich an diesem Tag besonders:

Die mittlerweile weit bekannten Hackeschen Höfe - ein über alle Maßen gelungenes Sanierungsprojekt eines städtischen Wohnquartiers mit einer Reihe von Hinterhöfen. Eine Vielzahl von kleinen Läden und Manufakturen füllen das Quartier mit Geschäftigkeit aus und ziehen zahlreiche Besucherinnen und Besucher in die kleinen Gewerbehöfe. Hier gibt es ausgefallene Regenbekleidung, Perlen für die Schmuckgestaltung, alte Spielwaren und vieles mehr. Nicht zu vergessen das Variete “Chamäleon”, das Arthous-Filmtheater und gastronomische Betriebe, die das Viertel auch in den Abendstunden zu einem attraktiven Anziehungspunkt machen.

Das zweite eindrückliche Erlebnis begegnet mir dann eher zufällig in der Oranienburger Straße. Zwischen den top sanierten Gebäuden mit netten Cafes und Bars erhebt sich plötzlich ein mächtiger baufälliger Komplex. Ein goßes Tor läd mich dazu ein, ein Blick in den Hinterhof zu werfen. Der Hinterhof entpuppt sich allerding als rießige städtische Brachfläche auf der ein Sammelsurium an Kunstgegenständen lagert. In einem Zelt gibt es eine Ausstellung von Eisenskulpturen, die durch eigentümliche musische Klänge untermalt wird. Ich bin total fasziniert. Dies passt so gar nicht in diese Gegend und ist gerade deswegen so spannend. Erst über das Internet erfahre ich, dass es sich um das Kunsthaus Tacheles handelt, das sich Dank des Engagements der Künstlerinitiative Tacheles inmitten der vornehmen Vorstadt Spandau gegen die Wiederstände der Stadtentwicklung halten konnte. Solche Areale machen ein Stadtviertel erst lebendig und lohnenswert es zu erkunden - hoffentlich ist das auch den Damen und Herren Stadtentwickler bewusst.

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Querdenker: Kunst als Dienstleistung

Montag, 9. Februar 2009 10:08

Malerei gilt oft als brotlose Kunst, nicht so für Nina K. Matthies. Denn sie hat ihre Leidenschaft mit einer pfiffigen Geschäftsidee verknüpft: Firmenkunst! Das bedeutet die Umsetzung der Farben und Logos von Unternehmen in großformatige Wandmalereien. Die plakativen farbenfrohen Gemälde finden sich häufig auch in den Weihnachtskarten, Kalender und Broschüren der Unternehmen wieder, frei nach dem Motto: Firmenkunst als Werbepräsent!

Zu den Auftraggebern von Nina K. Matthies zählen auch Kommunen, die sich für das Stadtmarketing aussagekräftige und farbige Bilder wünschen. Die Künstlerin sieht ihre Arbeit im Dreieck zwischen Wirtschaft - Stadtgestaltung - Kunst. Langweilige und graue Wandflächen im Stadtbild, wie in Bahnunterführungen, Tiefgaragen etc. gestaltet Nina K. Matthies gerne mit der Bevölkerung gemeinsam. Die Firmenlogos der ortsansässigen Sponsoren finden sich dann in den großformatigen Werke wieder.

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Querdenker: Obststandl - Vitamine für Studenten

Dienstag, 11. November 2008 21:14

Viel wurde bereits über ihn berichtet, über den Obst- oder Bananen-Didi, der mit richtigen Namen Dieter Schweiger heißt und seit 25 Jahren den Obst- und Gemüsestand an der Ludwigsstraße U-Bahn-Aufgang Universität München betreibt. Hier versorgt er nicht nur die Studenten mit Frischem und Gesundem, sondern die ganze Nachbarschaft. Der immer gut gelaunte Standlbesitzer, dessen Motto “S’Lebn is a Freid” ist, ist zu einer festen Institution des Viertels geworden.

Nachdem seine Planstelle beim Arbeitsamt vor über zwei Jahrzehnten gestrichen wurde und er in den Innendienst versetzt werden sollte, hat er die Stelle geschmissen. “Das ist nichts für einen jungen, kreativen Kopf“, sagte er sich und stieg 1984 ins Obst- und Gemüsegeschäft seines Bruders ein. Seitdem hat er von seinem Standl aus viele Studentengenerationen kommen und gehen sehen, die immer froh waren, wenn sie als Nervennahrung bei ihm noch schnell eine Banane bekommen konnten.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was den Didi als besonders kreativen Kopf oder Querdenker auszeichnet. Quer gedacht hat er damals, als er sich nicht einfach auf den Job im Innendienst eingelassen hat, sondern Neuland im Obst- und Gemüsehandel betreten hat. Zudem trägt er mit seinem Standl dazu bei, dass das Univiertel ein Stück lebenswerter wird. Und alleine deshalb hat er es verdient bei Zukunftsquartier erwähnt zu werden.

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Querdenker: Tausche Taschen

Dienstag, 28. Oktober 2008 13:03

Die Raumerstrasse in Berlin ist durch den Artikel “Du musst das wollen” aus dem brand eins Heft zum Thema Selbständigkeit (Ausgabe 1/2007) eine kleine Berühmtheit geworden (zumindest unter den Lesern des Magazins). Dabei geht es eigentlich nicht um die Raumerstrasse an sich, bei der es sich um jede beliebige Strasse in jeder Stadt handeln könnte, in der sich einige Restaurants und Bars, kleine Läden, ein Supermarkt, ein paar Büros und Wohnungen befinden, sondern es geht um die Menschen, die dort leben und arbeiten.

Ob Armin Tatzel und Petra Maresch, die Design-Anzüge verkaufen oder Antje Strubelt und Heiko Braun, die Taschen entwerfen und vertreiben oder Harry Schwan mit seinem “Wasser Kontor” - Sie haben alle eins gemeinsam: “Sie haben irgendwann herausgefunden, was sie wirklich wollen.” Und nicht nur dass. Sie haben dann auch den Schritt gewagt, auszuprobieren, ob sie davon leben können. “Dass der erste Arbeitsmarkt sie nicht will oder dass sie ihn nicht in ihrem Leben wollen, haben sie als Chance begriffen. Ihre Unternehmen sind gleichzeitig Experimente mit ungewissem Ausgang, neue Lebensräume und Wunschverwirklichungsmaschinen.

Die beiden Gründer des Tausche Taschen-Ladens sind studierte Landschaftsarchitekten, denen nach ihrem Studium die Arbeitslosigkeit winkte. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, nahmen sie ihr Leben selbst in die Hand, frei nach dem Motto “was besseres als eine Festanstellung finden wir immer!” Und so entstand in der Raumerstrasse ein Unternehmen, das heute Taschen in Thüringen fertigen lässt und in Läden in Berlin und Stuttgart vertreibt. Das Besondere an diesen Taschen sind die abnehmbaren Deckelklappen. Zu einer Tasche können sich die Kundinnen mehrere Deckelklappen mit unterschiedlichen Designs zulegen. So ist man für jede Gelegenheit bestens ausgestattet.

Die Läden in der Raumerstrasse erzählen auch eine Berlin-Geschichte. Die niedrigen Mieten ermöglichen Freiräume für Geschäftsideen, die in anderen Großstädten von den Festkosten aufgefressen würden. So wird die Armut der Stadt zur Basis des kreativen Reichtums. Das gilt nicht nur für Wohnungen und Geschäftsräume, sondern auch für Menschen und Arbeitsbiografien. Der Überschuss an Menschen mit Talent, einer guten Ausbildung und dem Willen, etwas aus ihrem Lebne zu machen, ist eine kostbare Ressource.

Auch wenn in Berlin ein besonders gründungsfreundliches Klima herrscht (aufgrund günstiger Mieten, Aufbruchstimmung, Offenheit für Neues, Überschuss an jungen kreativen Menschen etc.) gibt es Geschichten, wie die vom Tausche Taschen-Laden, überall in Deutschland. Unter “Querdenker” sollen immer wieder solche Geschichten vorgestellt werden. Über Hinweise auf interessante Projekte und “Querdenker” freue ich mich jederzeit.

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