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Querdenker: Die Nuss geknackt

Mittwoch, 8. April 2009 15:54

Ob Baumnusspesto, Baumnuss-Senf oder Baumnuss-Tagliatelle, Veiko Hellwig zaubert die tollsten Kreationen aus Nüssen und Wildfrüchten. Den Koch aus Rostock verschlug es nach der Wende in die Schweiz. Im Thurgau fand er seine zweite Heimat, wo er heute mit seiner Familie lebt. Vor ein paar Jahren gab er seinen familienunfreundlichen Beruf auf und kam durch Zufall auf die Nuss.

Angefangen hat er damals mit dem Baumnuss-Pesto. Heute hat sich zu der Nuss eine breite Vielfalt von heimischen Wildfrüchten gesellt. So produziert er Brotaufstriche, Konfitüren, Gelees, Sirups und Säfte aus Schlehe, Holunder, Kornellkirsche, Bergholder, rotem Holder, Mispel und Hagebutte. Diese sammelt er in einem Umkreis von 20 Kilometern, denn Regionalität, Originalität und Ökologie werden bei Veiko Hellwig groß geschrieben.

Sein neuestes Projekt ist die Förderung der Aronia (Apfelbeere) im Thurgau. “Aronia könnte als Nischenprodukt bei den Bauern gut ankommen (…) Die Bodenseeregion bietet ideale Anbaubedingungen für die Beere mit viel gesundheitlichem und kulinarischem Potenzial.

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Erkenne! Erschaffe! Verändere!

Dienstag, 10. März 2009 10:57

Die Ausgabe 1/2009 des berliner universellen Studentenmagazins bus beschäftigt sich im Titelthema mit der Einschränkung des freien Gedankenflusses durch die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge. Julian Nida-Rümelin, Professor der Philosophie, ist der Meinung, dass das Eigenstudium zu kurz kommt und damit auch das Querdenken. Aber gerade das Denken über die gewohnten Bahnen hinaus setzt kreative Prozesse in Gang.

Laut dem Artikel speist sich Kreativität aus drei Grundbedingungen: “Man will sich mit etwas auseinandersetzen, weil man beispielsweise neugierig ist. Man kann sich mit etwas auseinandersetzen, weil man die Fähigken besitzt. Und man darf sich mit etwas auseinandersetzen, weil die Regeln es erlauben.

Die Regeln der straff strukturierten Bachelor- und Masterstudiengänge erlauben dies allerdings nicht mehr. Der Druck ist hoch und Fehler sind nicht erlaubt. “Fehler macht man aber, wenn man konventionelle Pfade verlässt. (…) All die Erfindungen, die das moderne Leben ermöglichen, basieren auf endlosem Scheitern und der schlussendlichen Verwirklichung. Die Aufforderung zur Kreativität muss also die Möglichkeit zum Misserfolg beinhalten.

Können wir es uns leisten, keine Fehler mehr zu machen?

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Querdenker: Kunst als Dienstleistung

Montag, 9. Februar 2009 10:08

Malerei gilt oft als brotlose Kunst, nicht so für Nina K. Matthies. Denn sie hat ihre Leidenschaft mit einer pfiffigen Geschäftsidee verknüpft: Firmenkunst! Das bedeutet die Umsetzung der Farben und Logos von Unternehmen in großformatige Wandmalereien. Die plakativen farbenfrohen Gemälde finden sich häufig auch in den Weihnachtskarten, Kalender und Broschüren der Unternehmen wieder, frei nach dem Motto: Firmenkunst als Werbepräsent!

Zu den Auftraggebern von Nina K. Matthies zählen auch Kommunen, die sich für das Stadtmarketing aussagekräftige und farbige Bilder wünschen. Die Künstlerin sieht ihre Arbeit im Dreieck zwischen Wirtschaft - Stadtgestaltung - Kunst. Langweilige und graue Wandflächen im Stadtbild, wie in Bahnunterführungen, Tiefgaragen etc. gestaltet Nina K. Matthies gerne mit der Bevölkerung gemeinsam. Die Firmenlogos der ortsansässigen Sponsoren finden sich dann in den großformatigen Werke wieder.

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Vielleicht nicht sexy, aber attraktiv (& reich)!

Dienstag, 4. November 2008 18:14

Auf die Frage nach der kreativsten Stadt Deuschlands würden die meisten wohl mit Berlin antworten. Der Slogan, mit dem der amtierende Oberbügermeister Wowereit Berlin einmal charakterisiert hat “arm, aber sexy” hat sich in das Bewußtsein der Menschen eingebrandt. In Berlin herrscht das blühende Leben - Aufbruchstimmung! Hier fühlen sich die jungen kreativen Köpfe, die digitalte Boheme wohl. Im Wettbewerb der Städte und Regionen um die kreativsten Köpfe, scheint Berlin somit ganz vorne dabei zu sein. Nun stellt sich aber die Frage: Ist das Ziel aller Städt arm, aber sexy zu sein? Oder ist kreativ nicht gleich kreativ?

Vor einem Jahr hat die Stadt München eine Studie beim Department für Geographie der LMU München in Auftrag gegeben, den Standtortfaktor Kreativität für München zu untersuchen. Auch diese Studie basiert, wie die bereits bei zukunftsquartier.net (siehe Artikel vom 25.09.08) vorgestellte Studie “Talente, Technologie und Toleranz - Wo Deutschland Zukunft hat” auf den von dem Wirtschaftswissenschaftler Richard Florida aufgestellten Kriterien. Plötzlich zeigt sich bei diversen Städtevergleichen in der Münchner Studie, dass Stuttgart, München, Frankfurt a. M. oder Köln/Bonn die Nase vorn haben und Berlin hinter sich lassen. Was ist da los?

Die Städterankings wurden für folgende Indikatoren durchgeführt:

  • Anteil der Aufwendungen für Forschung & Entwicklung am Bruttoinlandprodukt der Städte (Technologie)
  • Anteil der Angestellten in Forschung & Entwicklung an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (Technologie)
  • Zahl der Patentanmeldungen je eine Millionen Einwohner (Technologie)
  • Kreative Wissensarbeiter in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigtenverhältnissen (Talente)
  • Anteil der Hochkreativen an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (Talente)
  • Anteil der Hochqualifizierten an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (Talente)
  • Anteil der Künstler an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (Toleranz)
  • Ausländeranteil an der städtischen Bevölkerung (Toleranz)

Auffallend ist, dass oft nur die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in die Bewertungen mit einfließen. So gibt es in München eine strake kreative Szene (hochkreative und hochqualifizierte), die ein Teil des ersten Arbeitsmarktes ist. In Berlin dagegen steht die kreative Szene für Subkultur und Prekariat. Ein Grund dafür, liegt in dem zur Verfügung stehenden Raum.

Künstler benötigen Freiräume und “unbestimmte” Orte, an denen sich eine neue Kunst- und Kulturszene “von Unten” immer wieder neu entfalten kann. Derartige Orte der Kreativität sind häufig ökonomisch entwertete Räume: heruntergekommene Wohnviertel, aufgelassene Industriegelände und Konversionsflächen. Sie lassen eine freie flexible und immer wieder neue Aneignung zu bzw. fordern sie geradezu heraus. Diese Orte sind in München äußerst rar (…). Wenig “unbestimmte und preislich günstige Räume zur Verfügung zu haben, schränkt die künstlerischen Entfaltunsmöglichkeiten der kreativen Szene Münchens deutlich ein und erhöht die Notwendigkeit, ihr künstlerisches Schaffen dauerhaft zu kommerzialisieren. Die nur wenigen preisgünstigen Freiräume und der starke Kommerzialisierungsdruck verbunden mit den hohen Lebenshaltungskosten, die auf dem Künstler lasten, können als Gründe gesehen werden, dass München kein großer Kristallisationspunkt der Subkultur ist.

Das Rennen der Städte und Regionen hängt somit davon ab, in wie fern sie in der Lage sind hochkreative und hochqualifizierte Kräfte an sich zu binden und weniger am Vorhandensein einer Subkultur, die zwar durchaus sexy für alle Kreativen ist, aber eben nicht unbedingt reich macht.

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