Tag-Archiv für » Berlin «

Spannende Spandauer Vorstadt

Dienstag, 3. März 2009 14:51

Endlich mal wieder in Berlin - ein ganzer Tag, um mich durch die Strassen treiben zu lassen und die Lebendigkeit dieser Stadt zu genießen. Zwei Dinge beeindrucken mich an diesem Tag besonders:

Die mittlerweile weit bekannten Hackeschen Höfe - ein über alle Maßen gelungenes Sanierungsprojekt eines städtischen Wohnquartiers mit einer Reihe von Hinterhöfen. Eine Vielzahl von kleinen Läden und Manufakturen füllen das Quartier mit Geschäftigkeit aus und ziehen zahlreiche Besucherinnen und Besucher in die kleinen Gewerbehöfe. Hier gibt es ausgefallene Regenbekleidung, Perlen für die Schmuckgestaltung, alte Spielwaren und vieles mehr. Nicht zu vergessen das Variete “Chamäleon”, das Arthous-Filmtheater und gastronomische Betriebe, die das Viertel auch in den Abendstunden zu einem attraktiven Anziehungspunkt machen.

Das zweite eindrückliche Erlebnis begegnet mir dann eher zufällig in der Oranienburger Straße. Zwischen den top sanierten Gebäuden mit netten Cafes und Bars erhebt sich plötzlich ein mächtiger baufälliger Komplex. Ein goßes Tor läd mich dazu ein, ein Blick in den Hinterhof zu werfen. Der Hinterhof entpuppt sich allerding als rießige städtische Brachfläche auf der ein Sammelsurium an Kunstgegenständen lagert. In einem Zelt gibt es eine Ausstellung von Eisenskulpturen, die durch eigentümliche musische Klänge untermalt wird. Ich bin total fasziniert. Dies passt so gar nicht in diese Gegend und ist gerade deswegen so spannend. Erst über das Internet erfahre ich, dass es sich um das Kunsthaus Tacheles handelt, das sich Dank des Engagements der Künstlerinitiative Tacheles inmitten der vornehmen Vorstadt Spandau gegen die Wiederstände der Stadtentwicklung halten konnte. Solche Areale machen ein Stadtviertel erst lebendig und lohnenswert es zu erkunden - hoffentlich ist das auch den Damen und Herren Stadtentwickler bewusst.

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Kulturcheck: Berlin versus London

Mittwoch, 3. Dezember 2008 9:08

Befindet sich East London bald in Berlin? Dieser Frage geht der Guardian-Journalist Mark Espiner zur Zeit in Berlin nach. Der Londoner macht sich Sorgen, weil Londoners Künstler und Kreative in Scharen nach Berlin aufbrechen. Was macht den Reiz dieser Stadt aus? Was hat Berlin, was London fehlt?

Zwei Wochen streunt Mark Espiner durch Berlin, um dies herauszufinden. Er besucht Kulturveranstaltungen, Konzerte, Fleischerläden und sucht das Gespräch mit den Künstlern. Was er so alles auf seinem Streifzug durch Berlin erlebt, kann im Tagesspiegel nachgelesen werden.

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Querdenker: Tausche Taschen

Dienstag, 28. Oktober 2008 13:03

Die Raumerstrasse in Berlin ist durch den Artikel “Du musst das wollen” aus dem brand eins Heft zum Thema Selbständigkeit (Ausgabe 1/2007) eine kleine Berühmtheit geworden (zumindest unter den Lesern des Magazins). Dabei geht es eigentlich nicht um die Raumerstrasse an sich, bei der es sich um jede beliebige Strasse in jeder Stadt handeln könnte, in der sich einige Restaurants und Bars, kleine Läden, ein Supermarkt, ein paar Büros und Wohnungen befinden, sondern es geht um die Menschen, die dort leben und arbeiten.

Ob Armin Tatzel und Petra Maresch, die Design-Anzüge verkaufen oder Antje Strubelt und Heiko Braun, die Taschen entwerfen und vertreiben oder Harry Schwan mit seinem “Wasser Kontor” - Sie haben alle eins gemeinsam: “Sie haben irgendwann herausgefunden, was sie wirklich wollen.” Und nicht nur dass. Sie haben dann auch den Schritt gewagt, auszuprobieren, ob sie davon leben können. “Dass der erste Arbeitsmarkt sie nicht will oder dass sie ihn nicht in ihrem Leben wollen, haben sie als Chance begriffen. Ihre Unternehmen sind gleichzeitig Experimente mit ungewissem Ausgang, neue Lebensräume und Wunschverwirklichungsmaschinen.

Die beiden Gründer des Tausche Taschen-Ladens sind studierte Landschaftsarchitekten, denen nach ihrem Studium die Arbeitslosigkeit winkte. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, nahmen sie ihr Leben selbst in die Hand, frei nach dem Motto “was besseres als eine Festanstellung finden wir immer!” Und so entstand in der Raumerstrasse ein Unternehmen, das heute Taschen in Thüringen fertigen lässt und in Läden in Berlin und Stuttgart vertreibt. Das Besondere an diesen Taschen sind die abnehmbaren Deckelklappen. Zu einer Tasche können sich die Kundinnen mehrere Deckelklappen mit unterschiedlichen Designs zulegen. So ist man für jede Gelegenheit bestens ausgestattet.

Die Läden in der Raumerstrasse erzählen auch eine Berlin-Geschichte. Die niedrigen Mieten ermöglichen Freiräume für Geschäftsideen, die in anderen Großstädten von den Festkosten aufgefressen würden. So wird die Armut der Stadt zur Basis des kreativen Reichtums. Das gilt nicht nur für Wohnungen und Geschäftsräume, sondern auch für Menschen und Arbeitsbiografien. Der Überschuss an Menschen mit Talent, einer guten Ausbildung und dem Willen, etwas aus ihrem Lebne zu machen, ist eine kostbare Ressource.

Auch wenn in Berlin ein besonders gründungsfreundliches Klima herrscht (aufgrund günstiger Mieten, Aufbruchstimmung, Offenheit für Neues, Überschuss an jungen kreativen Menschen etc.) gibt es Geschichten, wie die vom Tausche Taschen-Laden, überall in Deutschland. Unter “Querdenker” sollen immer wieder solche Geschichten vorgestellt werden. Über Hinweise auf interessante Projekte und “Querdenker” freue ich mich jederzeit.

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“Stadtviertel sind keine handelnden Subjekte.”

Freitag, 24. Oktober 2008 22:16

Am 24.08.2008 erschien im Tagesspiegel ein Interview mit Sven Regener über sein neues Buch “Der kleine Bruder” und seine Beziehung zu Berlin / Prenzlauer Berg. Er wehrt sich in diesem Interview vehement dagegen, dass es sich bei dem Roman um einen Berlin-Roman oder gar einen Kreuzberger Kiez-Roman handelt, nur weil sein Protagonist Frank Lehmann in diesem Viertel lebt. Auf die Frage hin, ob er sich vorstellen könnte einen Roman über den Prenzlauer Berg zu schreiben, antwortet er somit folgerichtig “Nein. Aber ich könnte mir vorstellen einen zu schreiben, der dort spielt. Stadtviertel sind keine handelnden Subjekte. Man schreibt einen Roman über Menschen….” Und damit hat er ja auch recht. Und dennoch spielt der Ort, an dem ein Roman angesiedelt ist, häufig eine wichtige Rolle. Denn die Leser machen sich nicht nur ein Bild von der Romanfigur und seiner Geschichte, sondern auch von den Orten, an denen er sich aufhält. Unser Leben und auch das von Romanfiguren findet nun mal im Raum statt. Und von Kreuzberg haben die meisten Menschen irgendwie eine bestimmte Vorstellung, die sie beim Lesen im Hinterkopf haben.

Schließlich kommt das Gespräch auf die Entwicklung des Prenzlauer Berges zu sprechen. Sven Regener hält nicht viel von Kiez-Romantik. Für ihn ist der Prenzlauer Berg einfach ein Viertel, in dem viel Geld drin steckt. Die Angst der Alteingesessenen vor Verdrängung kann er anscheinend nicht nachvollziehen. Auf den Einwurf, dass die Menschen, die sich heute vom Flair des Prenzlauer Berges angezogen fühlen, die Alteingesessenen verdrängen, antwortet er:

Das gilt immer und überall für jeden Neuankömmling. Soll man deshalb den Leuten verbieten, irgendwo hinzuziehen? Müssen wir deshalb für immer dort wohnen bleiben, wo wir geboren sind? Die Dinge, und damit auch die Wohnviertel, ändern sich. Das wäre nur dann schlimm, gäbe es sonst in Berlin überhaupt keine anderen Wohnungen mehr und die Leute müssten auf der Strasse wohnen. Und was heißt ansonsten Alteingesessener? Ab wann hat man diesen Titel, was muss man dafür tun? Mein Gott, wir reden hier über Mietwohnungen. Da kann man ein- und ausziehen.

Es stimmt natürlich, dass man in Mietwohnungen ein- und ausziehen kann. Und Alteingesessene haben keinen gesetzlichen Anspruch auf ihr Wohnviertel. Vielmehr zeichnen sich lebendige Quartiere dadurch aus, dass sie offen sind für Neuankömmlinge und für den Wandel. Dennoch muss die Sichtweise von Sven Regener all denen wie Hohn in den Ohren klingen, die eben nicht die Möglichkeit hatten selbst zu entscheiden, ob sie bleiben oder gehen wollen. Denn Investoren gehen nicht immer zimperlich mit alteingesessenen Mietern um, die nicht weichen, sondern bleiben wollen und so den ehrgeizigen Investitionsplänen im Wege stehen.

Thema: Feuilleton | Kommentare (0) | Autor: admin