Beiträge vom November, 2008

Werbung in der Stadt, Werbung für die Stadt

Sonntag, 23. November 2008 10:48

Am 13.11.2008 erschien im Feuilleton der ZEIT ein Artikel mit dem Titel “Du kannst uns nicht entkommen!“. Darin beschäftigt sich der Autor Hanno Rauterberg mit dem öffentlichen Raum als Werbefläche. Drei Thesen stellt Hanno Rauterberg in seinem Artikel auf, die sich gegen den Verkauf des öffentlichen Raumes an die Werbeindustrie wenden:

Öffentlich ist der öffentliche Raum aber nur, wenn er erstens nicht von den Interessen Einzelner dominiert wird, von Unternehmer- und Werbeinteressen zum Beispiel. Wenn er sich zweitens als ein realer Raum erfahren lässt, als ein Raum also, der nicht so glatt und künstlich wirkt wie die Riesenposter und der sich auch nicht im Takt der Werbekampagnen verändert, sondern so langsam dass sich darin kollektive Erinnerungen ablagern können. Und drittens wird der öffentliche Raum nur dann so etwas wie städtischen Zusammenhalt stiften, wenn sich die Bürger in diesem Raum nicht allein als Käufer angesprochen fühlen, wenn sie nicht gegängelt, bedrängt, verfolgt werden von den Botschaften der Werbung, sondern den Raum als offen und frei erleben. Wenn sie die Stadt als ihre Stadt erfahren und nicht als die Stadt der Produktindustrie.

Auf  ZEIT-Online ist dazu eine Diskussion über den Sinn von Werbung im Allgemeinen und im städtischen Raum im Besonderen entfacht. Viel interessanter erscheint mir allerdings der Zusammenhang zwischen Werbung und dem Image des Raumes, den Hanno Rauterberg in seinem Artikel erwähnt. Die Werbeindustrie wählt die Orte für ihre Werbung ganz gezielt aus und erhofft sich, dass das Image und die Bedeutung dieser authentischen Orte auf die beworbenen Produkte abfärben. Doch wie sieht der Umkehrschluss aus. “(…) leider bleibt von diesem Image der Stadt wenig übrig, wenn es nach und nach unter lauter Zeichen, Schildern und Logos verschwindet.” Oder sind diese mittlerweile selbst Teil des städtischen Images geworden? Schließlich gehören Werbetafeln seit jeher zur Urbanität dazu, wie auch Hanno Rauterberg in seinem Artikel erwähnt. Wenn sie aber seit jeher dazugehören, machen sie dann Städte tatsächlich gleichförmiger?

Die Städte werde gleichförmiger. Ihre Eigenart geht verloren, wenn überall dieselben Kampagnen, dieselben Logos und Ketten das Straßenbild prägen. Und was tun die Städte dagegen? Viele beauftragen ihrerseits Werbeagenturen, die mit viel Geld das Profil wieder schärfen sollen.

So liegt das Problem vielleicht nicht in der Werbung per se, als vielmehr darin, dass in allen Städten mit denselben Werbekampagnen dieselben Produkte oder Ketten beworben werden. Und dies widerspricht dem Streben der Städte nach Einzigartigkeit.

Würde eine Stadt ohne Werbung wirklich unserem Bild von Stadt entsprechen? Hätte eine solche Stadt nicht etwas Langweiliges, gar Rückständiges? Eine Stadt verlangt von den Menschen Toleranz. “Denn nur so werden die Gegensätze und Konflikte, ohne die eine Stadt nicht urban wäre, erträglich und im besten Falles sogar produktiv.” Ich würde noch einen Schritt weitergehen als Hanno Rauterberg: Ein tolerantes Klima, indem  Gegensätze und Konflikte entstehen können, ist Voraussetzung für eine lebendige Stadt. Und dazu gehören - ob es gefällt oder nicht - auch Werbeflächen.

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Die Zukunft des ländlichen Raums

Donnerstag, 20. November 2008 17:50

Nicht nur Städte, sondern auch ländlich geprägte Regionen stehen in einem ständigem Wettbewerb um Unternehmen, Arbeitskräfte und Einwohner. Dörfer haben Angst zum Hinterland großer Städte und zum Naherholungsort der Städter zu degradieren. Der Strukturwandel zeigt sich in zunehmend leerstehenden Höfen und Scheunen, der Aufgabe der kleinen Dorfläden und mangelnden Alternativen für die Bewohner. Während stadtnahe Ortschaften immerhin noch als Wohn- und Erholungsort für in der Stadt beschäftigte dienen, müssen entlegene Dörfer mit einem zunehmenden Bevölkerungsschwund kämpfen. Die Gefahr einer mangelnden Grundversorgung mit Lebensmitteln, Ärzten, Kindergärten und Schulen ist allgegenwertig.

Nun stellt sich die Frage nach der Zukunft des ländlichen Raums. Wohin soll der Weg gehen? Soll unter imensen Kosten in jedem noch so kleinen Dorf eine Grundversorgung aufrechterhalten werden oder müssen wir den Blick von der lokalen Ebene (Dorf als Grundeinheit) auf eine überregionale Ebene lenken und so eine nachhaltige Regionalentwicklung anstreben?

Ein regionalpolitisches Instrument zur Entwicklung des ländlichen Raums stellen die Naturpärke dar. Mit einem Naturpark wird eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung einer Region angestrebt. Neben der Bewahrung der Kultur- und Naturlandschaft, geht es um die touristische Vermarktung der Region, die Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte und die Schaffung einer regionalen Identität. Ziel ist es die Wertschöfung möglichst in der Region zu halten.

Ein Naturpark kann nur etabliert werden, wenn die Bevölkerung hinter dem Projekt steht. Er lebt vom Engagement seiner Bewohner. Dort herscht allerdings zum Teil die Angst vor einer “Käseglocke”, die über die Region gestülpt wird und schließlich keinen Gestaltungsspielraum mehr für wirtschaftliche Interessen zuläßt. Die Erfahrungen von bereits etablierten Naturpärken zeigen aber, dass die Regionen davon profitieren können.

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Stört es Sie, wenn ich Sie filme?

Dienstag, 18. November 2008 11:16

Orleansplatz: 360°-Kamera und Überwachung aus dem grünen Bus

Orleansplatz: 360°-Kamera und Überwachung aus dem grünen Bus

Der lausch.angriff der Urbanauten (siehe auch Artikel vom 05.11.08) auf dem Orleansplatz konnte letzten Samstag stattfinden. Ein grüner Lieferwagen am Strassenrand, ein paar junge Menschen mehr und ansonsten nichts ungewöhnliches auf dem Platz. Doch plötzlich eine Stimme aus dem Off (bzw. aus einem Lautsprecher versteckt unter den Zeitungskästen) “Nehmen sie bitte ihren Hund an die Leine! Das freie herumlaufen von Hunden ist nicht gestattet”.

Mit der sprechenden Kamera wollen die Urbanauten die Diskussion über die Überwachung im öffentlichen Raum neu entfachen. Nächsten Freitag werden die am Samstag gefilmten Szenen am Orleansplatz auf Leinwänden gezeigt. Das Thema Überwachung kann kaum erlebbarer gemacht werden, als mit der sprechenden Kamera.

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Querdenker: Obststandl - Vitamine für Studenten

Dienstag, 11. November 2008 21:14

Viel wurde bereits über ihn berichtet, über den Obst- oder Bananen-Didi, der mit richtigen Namen Dieter Schweiger heißt und seit 25 Jahren den Obst- und Gemüsestand an der Ludwigsstraße U-Bahn-Aufgang Universität München betreibt. Hier versorgt er nicht nur die Studenten mit Frischem und Gesundem, sondern die ganze Nachbarschaft. Der immer gut gelaunte Standlbesitzer, dessen Motto “S’Lebn is a Freid” ist, ist zu einer festen Institution des Viertels geworden.

Nachdem seine Planstelle beim Arbeitsamt vor über zwei Jahrzehnten gestrichen wurde und er in den Innendienst versetzt werden sollte, hat er die Stelle geschmissen. “Das ist nichts für einen jungen, kreativen Kopf“, sagte er sich und stieg 1984 ins Obst- und Gemüsegeschäft seines Bruders ein. Seitdem hat er von seinem Standl aus viele Studentengenerationen kommen und gehen sehen, die immer froh waren, wenn sie als Nervennahrung bei ihm noch schnell eine Banane bekommen konnten.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was den Didi als besonders kreativen Kopf oder Querdenker auszeichnet. Quer gedacht hat er damals, als er sich nicht einfach auf den Job im Innendienst eingelassen hat, sondern Neuland im Obst- und Gemüsehandel betreten hat. Zudem trägt er mit seinem Standl dazu bei, dass das Univiertel ein Stück lebenswerter wird. Und alleine deshalb hat er es verdient bei Zukunftsquartier erwähnt zu werden.

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