Weltneuheit im Safiental

Donnerstag, 8. Dezember 2011 12:12

Da gibt es doch immer wieder so kleine Dörfer wie das kleine Bündnerdorf Tenna im Safiental mit seinen rund huntert Einwohnern, die mit ihren kreativen und innovativen Ideen stets von sich Reden machen. Erst im Sommer schrieb ich hier im Blog über das Projekt der Safier Ställe (siehe Artikel vom 28.07.2011) und nun hat in Tenna der weltweit erste solarbetriebene Skilift seinen Dienst angetreten.

Noch vor 25 Jahren schien Tenna in seinen alten Traditionen und Stukturen steckengeblieben zu sein, die Bevölkerung schrumpfte und die Bewirtschaftung der weit vertreuten landwirtschaftlichen Flächen wurde zunehmend schwieriger. In dieser Krisenzeit setzte ein fündiger Landwirt auf biologische Produktion, Mutterkuhhaltung und Direktvermarktung. Anfangs belächelt ging sein Konzept aber auf und so haben mittlerweile viele Safier Landwirte ihre Bewirtschaftungsform angepasst - und dies nicht zu ihrem Schaden!

Auch wenn in Tenna neben der Landwirtschaft der Tourismus der wichtigste Erwerbszweig ist, findet man im Safiental keine Hotelburgen und Skizirkus. Urs Fitze bringt es im Onlinemagazin Alpenmagazin auf den Punkt. “Es ist Wintersport, wie man ihn kaum mehr kennt: Ein Lift, Naturschnee, ein paar Abfahrten, eine kleine Beiz an der Talstation, ein baulich intaktes Dorf, in dem vor allem Bauern und ein paar wenige Tourismus-Dienstleister leben.” Natürlich hofft die Genossenschaft Skilift Tenna mit dem neuen Solarskilift auf ein paar mehr Gäste als bisher, aber dem Genossenschaftspräsident Edi Schaufelberger ist dabei wichtig “Wachstum ja. Aber in einem Rahmen, der uns weiter in dieser wunderbaren Landschaft atmen lässt.”

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Akademische Turnübung?

Mittwoch, 23. November 2011 14:15

Gestern war die diesjährige Stiftungsversammlung des Think Tank Thurgau (ttt), der es sich zur Aufgabe gemacht hat über Zukunftsfragen des Kantons Thurgau nachzudenken. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird immer eines der laufenden Projekte präsentiert und in einer anschliessenden Podiumsdiskussion diskutiert. Bereits vor drei Jahren beauftragte der ttt das ETH Studio Basel die Studie “Die Schweiz - ein Städtebauliches Portrait” (siehe auch Artikel vom 22.03.2011) für den Thurgau zu verfeinern. Damals entstand die Studie “Thurgau - Projekte für die Stillen Zonen“, die besonders im Zusammenhang mit dem auf dem Seerücken geplanten Regionalen Naturpark Anlaß zu kontroverser Diskussion gab.

Dieses Jahr arbeitete der ttt erneut mit dem ETH Studio Basel zusammen und ließ eine Studie über “Das südliche Bodenseeufer” erarbeiten, aus der ein Teil gestern präsentiert wurde. Hintergrund der Studie ist die Tatsache, dass das südliche Bodenseeufer im Vergleich zu den anderen Schweizer Seeufern von einer geschlossenen Bebauung noch weitgehend verschont ist. Der Siedlungsdruck beginnt sich aber auch am südlichen Bodenseeufer bemerkbar zu machen. Die Studie widmet sich nun der Frage, ob es möglich ist durch alternative Raumkonzepte eine stabile Situation zwischen bebauter und unbebauter Landschaft zu erreichen. In der Präsentation gestern nahmen die Referenten die ländlichen Gemeinden am Oberseeufer zwischen Scherzingen und Uttwil genauer unter die Lupe. Als Gegenvorschlag für die Einfamilienhaussiedlungen, die überall an den Dorfrändern entstanden sind, schlagen die Referenten eine neue Zone vor, die um die Siedlungen herum positioniert werden soll - die landwirtschaftliche Wohnzone. Innerhalb dieser Zone sollen Einfamilienhäuser weiter verstreut in der Landschaft möglich sein, zu denen jeweils ein gewisser Anteil an landwirtschaftlichen Flächen gehören sollen. Diese Flächen sollen von den Bewohnern in Form von familiären Teilzeitbetrieben oder als Subsistenzwirtschaft bewirtschaftet werden.

Dieses Konzept widerspricht natürlich jeglichen aktuellen raumplanerischen Bestrebungen einer Verdichtung nach Innen. Zudem dürfte es Landwirten wie Hohn in den Ohren klingen, wenn weitere wertvolle Produktionsflächen an eine städtische Bevölkerung verkauft werden, damit diese sich dort ihren Traum von einem Hobbybetrieb ermöglichen können. Auf der anderen Seite dürften sich Vertreter der Umweltverbände angesprochen fühlen, denn die Form der kleinbäuerlichen Subsitenzwirtschaft lässt natürlich Raum für eine höhere Artenvielfalt und Vernetzungsstrukturen.

Ganz egal ob realistisch oder nicht, der Sinn dieser Studie war es ja nicht bereits Bekanntes zu bestätigen, sondern ganz neue Ansätze zu entwickeln, die eher utopischen Charakter haben. Gerade deshalb leistet sie meiner Meinung nach einen wichtigen Beitrag zur Diskussion. Denn häufig sind die Gedankengänge der Akteure bereits so festgefahrenen und lassen keinen neuen Blickwinkel mehr zu. Daher finde ich die Beiträge, die der ttt gemeinsam mit dem ETH Studio Basel entwickelt immer sehr erfrischend. Schade ist nur, dass es immer Teilnehmer gibt, die diese Studien für bahre Münze nehmen. Dies war besonders bei den Stillen Zonen so, ist aber auch bei dieser Studie wieder etwas hervorgeklungen. Natürlich handelt es sich um akadmische Turnübungen, wie dem Projektteam vorgeworfen wurde. Solche Turnübungen sind aber wichtig, um allgemein akzeptierte Ansätze nochmals neu zu überdenken und sei es nur dafür, um festzustellen, dass man mit den bewährten Ansätzen auf dem richtigen Weg ist.

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Die Idee von einem Ort

Freitag, 21. Oktober 2011 14:09

Heute mal ein Blick nach Frankreich und zwar in den Pariser Stadtteil SoPi, was für South Pigalle steht und bis vor kurzem vor allem für sein Rotlichtmilieu und seine Sexshops bekannt war, darunter natürlich auch das legendäre Moulin Rouge. Das ZEIT Magazin erzählte bereits vor drei Wochen die Geschichte dieses Stadtviertels (Die ZEIT, 29.09.2011) und konnte - anders als in Kreuzberg (siehe Artikel vom 11.05.2011) - den Beginn des langsam einsetzenden Wandels an einem kleinen Laden festmachen: der Rose Bakery. Die bekannte Bakery von Rose Carrarini hat diesen Stadtteil neu erfunden und wird im Artikel selbst beschrieben als “ein Ort, der beweist, dass er mehr die Idee von einem Ort ist als er selbst, die bestimmt, ob er sich in etwas Besonderes verwandelt, ob er eine Aura entwickelt.” Dass hat er wohl getan, denn immer mehr sogenannte Bobos (bohemiens bourgeoise) siedeln sich in SoPi an.

Und wie überall in solchen Stadtvierteln sehen die bisherigen Bewohner diesen Wandel mit gemischten bis negativen Gefühlen entgegen. So auch die Schriftstellerin Anne Plantagenet. “Als Intellektuelle, die etwas auf sich hält, beklagt sie die Gentrifizierung.” Doch ähnlich wie der Autor vom Zeit-Artikel “Meine neuen Nachbarn” (Die ZEIT, 28.04.2011) trägt auch Anne Plantagenet durch ihr öffentliches Auftreten in verschiedenen Medien als Repräsentatin von SoPi und ihr Buch “Nation Pigalle” erheblich zu diesem Prozeß bei. Mir stellt sich dann häufig die Frage, wie man gegen etwas sein kann, dass man durch sein eigenes Verhalten fördert.

Thema: Feuilleton, Szeneviertel | Kommentare (0)

Die Alp Flix im Parc Ela

Mittwoch, 10. August 2011 14:13

Immer wieder stosse ich im Rahmen meiner Arbeit auf tolle touristische Angebote, die einen hohen erlebniswert in einer authentischen Kultur- und Naturlandschaft bieten. In der Schweiz liegen diese mittlerweile immer öfter in den seit einigen Jahren entstehenden Regionalen Naturpärken und dienen dabei dem Ziel einer nachhaltigen Regionalentwicklung.

Mittlerweile habe ich schon einige Projekte auf meiner Agenda, die ich mir nach und nach gerne persönlich anschauen möchte. Eines war die im Parc Ela gelegene Hochebene Alp Flix, eine Moorlandschaft von nationaler Bedeutung auf knapp 2000m Höhe. Bereits Anfang Juni verbrachten wir ein Wochenende in dieser traumhaften Landschaft. Wir entschieden uns in einer mongolischen Jurte von Agroturismo zu übernachten, da uns vor allem die Möglichkeit eines freien Blickes in den Sternenhimmel lockte.

Die Alp wurde vor drei Jahren von einer Deutschen gepachtet, die dort in den Sommermonaten rund 300 Schafe betreut. Die Schafe werden zweimal am Tag direkt neben den Jurten gemolken und so hat man das Leben auf der Alp unmittelbar miterleben können. Gegen Schafgeruch darf man allerdings nicht allergisch sein, denn auch die Originaljurten rochen fürchterlich nach diesem netten Nutztier.

Leider häuften sich nach und nach aber die Punkte, die uns den Kurztrip zum Schluss etwas vermiesten und die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Nach einer schönen Wanderung wieder zurück bei unserer Jurte freute ich mich auf eine heisse Schoggi und einen Kuchen, was es beides (obwohl an der Tafel vor der Hütte angeschlagen) noch (??) nicht gab. Der Kaffee zum Frühstück war eine dünne Brühe - und dass obwohl in der Schweiz doch so grosser Wert auf guten Kaffee gelegt wird - die Marmelade, die die Mutter der Pächterin von zu Hause aus Stuttgart mitgebracht hatte, stammte von 2004 - ja die Vorräte müssen halt auch langsam mal unter die Leute gebracht werden - und die Brotscheiben waren so abgezählt, dass der Gast wegen jeder weiteren Scheibe zur Theke laufen musste und um diese bitten. Wir sind wirklich keine verwöhnten Gäste, aber nachdem wir dann auch noch die Hauptsaisonpreise zahlen mussten, da die Nebensaisonpreise abgeschafft wurden, was leider aus Zeitmangel noch nicht auf der Homepage aktualisiert wurde (daher ist sie wohl jetzt ganz abgeschalten), hat uns dies sehr verärgert. Fazit: Die Idee von Agroturismo ist gut, das Preis-Leistungsverhältnis dagegen schlecht. Ich denke, dass die Parkverwaltungen nach und nach mehr auf die Qualität der Unterkünfte achten werden und dann solche ärgerlichen Vorkommnisse kaum noch vorkommen werden. Die Moorlandschaft Alp Flix ist aber dennoch eine Reise wert!

Thema: Erlebnisse | Kommentare (0)